Traunsee Bergmarathon 2019

Der schönste Erlebnislauf Europas – so die Werbung für den Bewerb, der binnen weniger Tage ausgebucht ist 🙂 .

Am 1.12.2018 um 20:00 wurde die Anmeldung geöffnet, um 20:06 ging die Mail mit meiner Anmeldebestätigung ein, Startnummer 214 – es waren doch einige schneller. Die beiden kürzeren Distanzen waren binnen Minuten ausgebucht, für die Gesamtstrecke dauerte es aber doch 3 Tage.

Aufgrund der Wetterbedingungen im Mai (Kälte, Regen, Schnee in den Bergen) fiel meine Vorbereitung doch eher mager aus. Naja, 3 Marathons, einer davon ein Bergmarathon, ist ja nicht nichts – aber die Höhenmeter! Zwei echte Bergtrainings und der wunderbare Highlander auf den Höhen der Seetaler- und Saualpe sind vielleicht doch etwas wenig. Also gemischte Gefühle bei der Anreise 😉 .

Start und Ziel direkt vor dem Rathaus in Gmunden und meine Unterkunft im Seehotel Schwan gegenüber mit Blick auf das Eventgelände. Eine bessere Lage kann es nicht geben. Aber jede Medaille hat zwei Seiten. Nach einem kleinen Abendessen (die Kaiserschmarrn-Party habe ich verweigert – um das dort verlangte Geld esse ich lieber etwas, das mir besser schmeckt im gemütlichen Ambiente des Hotelrestaurants) früh ins Bett. Wecker um 2:00. Und dann laute Musik und Partylärm bis nach Mitternacht. Panik! Aber irgendwie kann ich doch etwas Schlaf finden.

Der große Vorteil der Lage und des ausgedehnten Startzeitraums: gemütliches Frühstück im Festzelt ohne Rennadjustierung, nach dem Race-Briefing ins Hotelzimmer, mit Sonnen- und Kartoffelcreme einschmieren, Rennkluft anlegen und los geht’s. Mein Start um 3:10.

Mit Stirnlampe über den ersten Berg, den Grünberg. Noch eher gemütlich – der moderate Ortnersteig hinauf und breite, gut laufbare Wege hinunter bis zum Einstieg des Naturfreundesteiges auf den Traunstein.

Und jetzt ist Schluss mit lustig. Ein Klettersteig über 1100 hm auf den Gipfel, mit traumhaften Ausblicken über den See und alle umgebenden Hügel. Und ein anspruchsvoller Downhill über den Mair-Alm-Steig – es geht nicht viel schneller als bergauf 🙁 . Damit ist meine geplante Zeit von unter 15 Stunden Geschichte, aber Sicherheit geht vor – und ich habe nicht mehr das Draufgängertum früherer Jahre. In meinem Umfeld treffe ich auch andere ältere Herren , also wird’s schon passen 🙂 .

An dieser Stelle ein großes Lob an die Labestationen – sehr freundliche, hilfsbereite und nette Betreuer, große Auswahl an Getränken, ausreichend Obst und andere Köstlichkeiten. Vielen Dank für euren tollen Job 🙂 .

Die nächste Hürde ist der Daxnersteig auf die Spitzelsteinalm. Sehr schmal mit einigen heiklen Stellen am Hang direkt über dem See. Schwindelfreiheit und Trittsicherheit ist angesagt. Steil bergauf – teilweise diretissima – und nach der Labestation wieder technisch (und eher langsam) nach unten.

Im Tal auf Asphaltstraßen nach Ebensee zum heiß ersehnten, von einem Freund als “beste Labestation Europas” bezeichneten Endpunkt des östlichen Halbmarathons.

Inzwischen ist es Mittag, es geht auf die 30° C zu – Private bieten zur Abkühlung ihre Gartenschläuche an 🙂 .

Aber es ist noch lange nicht vorbei – der nächste endlose Anstieg auf den Feuerkogel. Der macht an diesem Tag seinem Namen alle Ehre. Die brutalen ca. 200 letzten Höhenmeter entlang der Schipiste in der prallen Sonne. Die Gießkanne bei der Ladestation bringt etwas Kühlung und es geht wieder über einen anspruchsvollen Steig nach unten zur Labstelle “Kreh”.

Und wieder steil durch den Wald – länger als erwartet – über die Hochsteinalm ins Mühlbachtal. Es ist 17:15 und wir haben noch 16 km (hauptsächlich Asphalt) vor uns.

Der Grasberg wurde bei den letzten Labestationen (alle hatten eine Gartenschlauch zur Kühlung 🙂 ) als Höllentrip (wegen der Hitze) angekündigt – aber Petrus hat ein Einsehen und bewölkt den Himmel 🙂 . Ich kann einige Läufer überholen, denen ich bis ins Ziel mehr als 30 Minuten abnehme. Mir geht es gut, ich habe keine Probleme mit der Muskulatur und die Erschöpfung bleibt auch aus 🙂 🙂 .

Brutal ziehen sich aber die letzten Kilometer durch Altmünster und die Vororte von Gmunden bis ich endlich die Esplanade in Gmunden direkt beim Seeschloss Orth erreiche.

Und dann noch über einen Kilometer entlang der Promenade unter Applaus, Gratulationen und Anfeuerungen ins Ziel am Rathausplatz – mit einer Zeit, die doch noch besser war als unterwegs erwartet.

Medaille, Finishershirt, Urkunde – und eine große Enttäuschung: kein Finisherbier, auf das ich mich zumindest einen halben Tag gefreut habe 🙁 .

Es war der härteste Lauf (103 DNFs bei 378 Startern sagt alles) meiner bisherigen Laufbahn – aber er war diese Strapazen uneingeschränkt wert 🙂 🙂 ..


6.7.2019

Distanz70 km
Höhenmeter4.500 m
Zeit16:39:07
gesamt248von378
Männer217von324
AK4von13