Wörthersee Ultra Trail (WSUT) 2019

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Ein Traumtag am Wörthersee, für mich bereits das achte Antreten bei meinem Heimevent in seiner elften Auflage, das sechste Mal über die volle Distanz.

Die Einstimmung beginnt schon am Vortag bei einem gemütlichen Kaffee am Alten Platz in Klagenfurt mit Bernward aus Köln und seinem Lauf-Freund Georg aus Hannover. Ein Plausch über die vergangenen Abenteuer dieser Saison, Vorfreude auf einen herrlichen Spätsommertag auf den Trails rund um den Wörthersee. Für Bernward ist es das zweite Mal nach seinem Debüt vor drei Jahren (damals noch 62 km mit 1700 hm). Wir beschließen, gemeinsam zu starten und, falls es passt, den Tag als Zweierteam zu gestalten. Natürlich nutzen meine beiden deutschen Freunde die Gelegenheit, den Wald im Stadion “For Forest” zu besuchen 😉 .

Die (eher dürftigen) Startsackerln sind in einem sehr versteckten Raum abzuholen, das Race-Briefing hat leider nicht das Feuer der vergangenen Jahre. Keine wesentlichen Änderungen der Strecke.

Samstag 6:00: Bernward kommt in der letzten Sekunde, Start mit Stirnlampe und Pullover (es hat doch nur knapp über Null Grad). Wie gewohnt geht es eher gemütlich über die Hohe Gloriette mit einem schönen Blick auf das noch dunkle Pörtschach. Zügig geht es weiter nach Sekull, vorbei an den herrlichen Wurzelskulpturen eines einheimischen Künstlers. Über den Pavor, die erste nennenswerte Steigung zum idyllischen Forstsee (welch eine Freude: der an der Straße platzierte Streckenposten ist mein Lauffreund Valentin, den ich erfreut umarme 🙂 ), der südseitig auf anspruchsvollen Single-Trails umlaufen wird.

Ein Eindruck von Bernward:

… Die ersten Schikanen sind stets am Forstsee bei km 7,5 bis 8,5 zu überwinden. Man wird links und damit auf der Südseite um den See herum geführt und dort befinden sich zahlreiche Felsen und abschüssige Stellen, so daß Vorsicht geboten ist. Vor drei Jahren mußte ich mich auf allen Vieren über die nassen, glitschigen Felspartien winden und mich nicht selten mit beiden Händen bzw. Armen an den Felsen hochziehen, weil die Füße bzw. Beine mit den nicht profilierten Straßenschuh-Laufsohlen einfach nur ab- und wegrutschten. Diesmal, so dachte ich, wird alles anders. Ich folgte Gerald, der zuvor auf mich gewartet hatte, auf der Trasse um den See und vergaß, daß ich mich, der ich ja nicht ganz schwindelfrei bin, besser auf der Innenseite links vom See hätte halten sollen, als sich der Weg durch einen Felsbrocken teilte. Gerald wählte den Pfad an der Seeböschung, sprang wie eine Gams wieder nach oben – und weg war er. Ich dagegen sah die Böschung hinter und neben mir und ahnte, was käme, wenn ich hier aus dem Tritt oder Gleichgewicht käme. Erst einmal stoppte ich, setzte vorsichtig den Fuß auf den einzigen Tritt, der vom gähnenden Steilabhang des Sees wegführen würde und zog mich hoch – geschafft. Nachdem ich Gerald fast wieder eingeholt hatte, dachte ich, daß nun das Schlimmste vorüber sei. …

Die Belohnung: Ein wunderbarer Aussichtspunkt mit Blick über Velden und den Wörthersee in einer faszinierenden Morgenstimmung 🙂 .

Weiter geht’s über einen anspruchsvollen Trail durch die Römerschlucht bergauf zum nächsten optischen Höhepunkt, den Seiserasee oberhalb von Velden.

Bernward und ich laufen immer noch gemeinsam – Kerstin, eine junge Läuferin aus Augsburg auf ihrem ersten Ultra – Trail schließt sich uns an.

Durch den Teufelsgraben erreichen wir Velden mit der ersten Labestation, die wie alle weiteren mit sehr netten und hilfsbereiten Helferinnen und Helfern besetzt ist. Es wird schon wärmer, die Stirnlampe und der Pullover werden verstaut.

In Velden zieht es sich entlang der Promenade bis zum Kap Wörth, wo es Gott sei Dank wieder in den Wald geht. Vorbei am Wörthersee-Mandl (ich erzähle die Geschichte von der Entstehung des Wörthersees) über Auen bis zum Trattnigteich geht es eher flach und zügig auf angenehmen Waldwegen dahin. Dann über den Forstweg auf die höchste Erhebung der Runde, auf den Pyramidenkogel.

Und, wie schon im Vorjahr, geht es über 440 Stufen auf die Plattform 8 des höchsten Holzturmes Mitteleuropas 🙂 . Leider gibt es heuer keine Labestation und auch keine Fotos auf diesem (im wahrsten Sinne des Wortes) Höhepunkt des WSUT. Leider haben die Fotografen auch auf der weiteren Strecke nicht die Geduld, auf das letzte Viertel der Ultraläufer zu warten, nachdem der Bulk der Marathonläufer (Start Pyramidenkogel) und der Halb-Marathonis (ab Klagenfurt) durch ist 🙁 🙁 ! Das gilt auch für die Wasserstationen, die ab Klagenfurt nicht mehr nachgefüllt waren 🙁 . Der Veranstalter hat uns inzwischen glaubhaft gemacht, dass das definitiv nicht mehr passieren wird.

Die Strecke führt dann zum Keutschersee mit der zweiten Verpflegungsstation und über Keutschach zu den Spintikteichen. Und wieder ein Kommentar von Bernward:

” …Als besonders tückisch hat sich immer wieder die Strecke um die Spintigteiche erwiesen, weil dort die Wurzeln so dicht hintereinander gelegen sind, daß man seine liebe Mühe hat, noch dazwischen treten zu können und nicht zu stürzen. Hier muß man beide Hände frei haben. Gerade die Strecke um den oberen Spintigteich ist technisch anspruchsvoll und es gibt kaum einen Läufer, der dort nicht schon einmal zu Boden gegangen ist. …

Anstrengend war der Lauf durch die Wörthersee-Ostbucht – die längste Asphaltstrecke bei doch inzwischen sehr warmen, sonnigen Wetter. Bei der Labestation – heuer wieder bei der Tramway – waren leider nicht mehr alle Goodies vorhanden 🙁 .

Dann jedoch die Nordseite über den Falkenberg, Drasing, Pirkerkogel, den Bannwald und die Niedere Gloriette. Ein dauerndes Auf und Ab, eine nette Labe ca. 6 km vor dem Ziel, einige schöne Aussichtspunkte (Pirkerkogel 🙂 ). Ab dem Pirkerkogel habe ich einige Probleme, die sich aber beim Anstieg zum Bannwald wieder legen. Danke, Valentin, für deine aufmunternden Worte 🙂 . Kerstin hat uns vor dem Falkenberg verlassen und uns eine halbe Stunde bis zum Ziel abgenommen – gratuliere zu deiner tollen Leistung.

Bernward ist immer noch bei mir – wir freuen uns über den gemeinsamen Zieleinlauf. Mit einem Wermutstropfen – Erika, die knapp vor dem Ziel auf uns wartet, bekommt das Busserl erst nach dem Durchlaufen des Zielbogens 😉

Es war uneingeschränkt ein sehr schöner Tag am Wörthersee – bei Kaiserwetter und einer traumhaften Landschaftskulisse.

Ein paar Worte zu meiner lieben Lauffreundin Babsi (die immerhin bei den österreichischen Meisterschaften im Halbmarathon in ihrer Altersklasse einen Stockerlplatz erringen konnte). Nach einem Sturz noch vor dem Forstsee hat sie Bedenken, die Strecke zu schaffen. Wir laufen zeitweise gemeinsam, treffen uns aber zumindest an allen Verpflegungspunkten. Ich bin überzeugt, dass sie es schaffen wird – sie muss es einfach locker angehen ;-).

Und natürlich kommt sie ins Ziel – mit einem Grinsen von Ohr zu Ohr – nur wenige Minuten nach uns 🙂 .


21. 9. 2019

Distanz72 km
Höhenmeter2600 m
Zeit11:25:16
gesamt78 von 105
Männer69 von 90
AK (älter als 50)11 von 18